Apotheken in Talfahrt


2015-04-05, dkm

In einschlägigen Kreisen wird bedauert, dass ein reales Umsatzplus der Apotheken sich nur „marginal in den Erträgen widerspiegelt“. Diese Spiegelung dürfte allerdings eine Fata Morgana sein, weil die raue Wirklichkeit für viele Apotheken anders aussieht. Was sind die Gründe für diese Entwicklung?

Die Einführung innovativer hochpreisiger Arzneimittel und die zunehmende Verschreibung billigerer Generika verändert die Struktur des Warensortiments. Dem kann sich jeder erfolgreiche Handels-, bitte um Vergebung Apothekenbetrieb, anpassen, wenn man ihn lässt, von der Kostenseite her nicht immer mehr belastet und zusätzlich seine Handelsspanne verkürzt. Weil dies nicht geschieht, ist der Boden für eine ungedeihliche Entwicklung gut vorbereitet.

Sowohl den Gesetzgeber als auch die Tarifpartner kümmert es nicht, woher trotz sinkender Erträge das Geld kommen soll, um zusätzliche Leistungen zu finanzieren. Wozu auch? Apotheken stehen im Ruf unendlichen Reichtums. Doch der stammt noch aus der Zeit, als Apotheker die Pillen selbst drehten. Seither wurde erreicht, diesen Zustand zu beseitigen ohne den Ruf zu zerstören. Mit Hilfe gesetzlich verordneter degressiver Handelsspannen hat man seit dem Jahre 1995 systematisch den Rohaufschlag auf die gleiche Höhe wie die des Gemischtwarenhandels heruntergedrückt, ohne die vorgeschriebene Qualifikation des Verkaufspersonals, die Qualität betrieblicher Einrichtungen und die allen Apotheken obliegenden zusätzlichen Aufgaben zu berücksichtigen. Die Politik scheute nicht davor zurück, die Erträge aus dem Privatumsatz zur Stützung des Kassenumsatzes heranzuziehen, anstatt sie, wenn schon, jenen zukommen zu lassen, welche die Krankenkassen nicht belasteten, weil sie sich ihre Medikamente selbst kauften. Aber damit nicht genug!

Im November 2011 hat die Österreichische Apothekerkammer, wie schon Jahre davor, mit dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger einen Vertrag abgeschlossen, welche die Leistung eines Finanzierungsbeitrages an die Versicherungsträger von jährlich 6 Mio. Euro für die Jahre 2012 bis 2015 betraf. Die Krux dieser Vereinbarung ist die Aufteilung der Belastung unter den Apotheken: ein „Teilbetrag“ soll aus dem Krankenkassenerlös von Arzneispezialitäten mit einem Einstandspreis bis 200 Euro, ein zweiter „Teilbetrag“ aus dem Krankenkassenerlös der im Einkaufspreis höher liegenden Arzneispezialitäten ermittelt werden.

Man möchte glauben, dass die jährliche Aufteilung von 6 Mio. Euro unter rund 1300 Apotheken mit einem „Krankenkassenumsatz“ von etwa 2,5 Mrd. Euro bei gutem Willen und gerechter Verteilung zeitlich beschränkt allenfalls leistbar ist. Andernfalls wäre der auffallend geringe Widerstand gegen diese Maßnahme nicht erklärbar. Die verfügte Aufteilung des halben Betrages der „Spende“ beinhaltet aber eine im ersten Ansatz für das „Fußvolk“ der Betroffenen kaum erkennbare verstärkte Demontage des Rohaufschlages durch die Festsetzung eines unzureichenden Deckungsbeitrages für die Vertriebskosten der neu definierten Hochpreismedikamente. Was im Zusammenhang mit der Vereinbarung den Anschein einer Entlastung dieser Umsätze vom "Sondernachlass" hatte, erwies sich als zusätzliche Belastung.

Nehmen wir ein praxisnahes Beispiel mit den Eckdaten Vertriebskosten 25 % vom Gesamtumsatz (ohne Abschreibungen!), 25 % vom Gesamtumsatz „Hochpreisartikel“ mit einem Deckungsbeitrag für die Vertriebskosten von 3,97 % und das Verhältnis Kassenumsatz zu Privatumsatz 67:33 %. Daraus ergibt sich folgende Berechnung:

Nach diesem Beispiel belasten rund 131.000 Euro der Vertriebskosten den restlichen Umsatz, was zu einem Verfall des erforderlichen durchschnittlichen Gesamt-Deckungsbeitrages führt. Man könnte glauben, dass die Höhe des Betrages, umgelegt auf den Krankenkassenumsatz aller österreichischen Apotheken, die Schätzung einer Ersparnis für die Krankenkassen von rund 200 Mio. Euro jährlich erlaubt, obwohl nur 3 Mio. Euro durch das Abkommen hereingebracht werden sollten. So einfach ist die Sache aber nicht. Ohne eine detaillierte Abrechnung werden wir es wohl nie erfahren. Und bis der Rechnungshof sich der Sache annimmt ist längst Gras darüber gewachsen.

Kein Wunder also, wenn die Verlustgrenze immer näher rückt und in vielen Fällen bereits erreicht wird. Dazu kommt noch das Problem „die Geister die man rief“ wieder los zu werden. Wird der "Sondernachlass" tatsächlich 2015 ersatzlos auslaufen? Leisten kann man sich ihn schon lange nicht mehr. Es ist zu befürchten, dass die Apothekerschaft wohl weiterhin mit der Illusion leben wird, dass es möglich ist, ein Unternehmen unter massiver staatlicher Einflussnahme wirtschaftlich zu führen.

Lemmingen wird zu Unrecht nachgesagt, in ihr Verderben zu rennen. Aber der Mensch hat den Tieren ja so viel voraus. Sehen Sie auch die Symbolik im nachstehenden Diagramm? Ich sehe unter dem Wasserspiegel einen Haifisch mit offenem Maul.

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